Linguee – Das andere Deutsch-Englisch-Wörterbuch

Ein neues Online-Übersetzungs-Angebot macht Karriere

Die Idee des neuen Online-Lexikons Linguee: Man nehme die Deutsch-Englisch-Übersetzungen, die im WWW vorhanden sind, und verwende Sie als Grundwortschatz.

Das scheint zu funktionieren. Die Grundidee des neuen Deutsch-Englisch-Lexikons Linguee.de hat schon etwas Bestechendes. Weil im World Wide Web immer mehr zweisprachige Texte, hier also zum Beispiel englisch-deutsch/deutsch-englisch Übersetzungen, vorhanden sind, lässt sich daraus ganz wunderbar ein großer Wortschatz basteln. Die Beispielsätze für die Verwendung der einzelnen Wörter bringt dieser Basiswortbestand gleich mit. So kann man zu jedem Wort mehrere Varianten aus dem spoken beziehungsweise written English nachlesen, wie sie im jeweiligen Kontext vorkommen.

Linguee: Online-Wörterbuch mit Übersetzungsbeispielen im Kontext

Das neue Online-Wörterbuch ist seit April 2009 unter der Webadresse Linguee.de zu finden. Wer zum deutschen Wort eine englische Übersetzungsmöglichkeit sucht, und natürlich umgekehrt, gibt das auf der Webseite entsprechend ein und bekommt dazu Beispielübersetzungen angezeigt. Wie bei einem herkömmlichen Lexikon erhält der Nutzer die möglichen Grundbedeutungen der Übersetzung, nur dass dazu nicht ein fertig angelegter Wortbestand verwendet wird, sondern aktuell aus dem Internet zusammengesuchte Übersetzungen mit herangezogen werden. Linguee macht sich dabei zunutze, dass viele Unternehmensseiten, Patente oder etwa Webseiten der EU in mehrsprachigen Versionen online sind und damit reichlich Anschauungsmaterial anbieten, wie man etwas übersetzen kann. Nicht nur die große Anzahl der Beispiele macht dabei Eindruck, sondern auch die Tatsache, dass man die Übersetzungen stets im direkten Kontext vor sich hat. So kann man gut ein Gefühl dafür entwickeln, in welchen Nuancen der konkrete Begriff verwendet wird.

Übersetzungen Deutsch-Englisch/Englisch-Deutsch

Zur Wortabfrage wird man auf Linguee mit einer schlichten Suchmaske empfangen, in die der gesuchte Begriff eingegeben wird. Anschließend wird eine Seite mit den Wortbedeutungen und den Beispielsätzen angezeigt. Die Beispiele selbst sind direkt zur Originalquelle verlinkt, so dass man bei Bedarf auch den gesamten Zusammenhang der Übersetzung nachvollziehen kann. Meist lassen sich außer der ersten Auswahl auch noch weitere Beispielsätze einblenden, das WWW ist bekanntlich riesengroß und scheint mit Übersetzungsangeboten nicht zu knausern. Doch eben da könnte man auch einen Problempunkt bei dem neuen Online-Wörterbuch vermuten. Denn wer kann für die Qualität und Richtigkeit dieser scheinbar wahllos zusammengesuchten Übersetzungen garantieren? Nur weil etwas irgendwo von irgendwem so übersetzt wurde, muss das ja so lange noch nicht stimmen.

Online-Lexikon im Web 2.0-Format

Um dem Einschleichen von Übersetzungsfehlern vorzubeugen, hat Linguee allerdings ein paar Gegenmittel parat. Nutzer können sich an der Bewertung von Übersetzungsvarianten beteiligen und auch Verbesserungsvorschläge machen. So zeigt ein grünes Häckchen neben Übersetzungs-Angeboten an, dass es sich um überprüfte und für gut befundene Übersetzungen handelt. Ein gelbes Dreieck hingegen signalisiert, dass die Übersetzung eventuell unsicher und noch nicht gegengeprüft ist. Über eine Auszeichnung mit bis zu drei Sternen wird dieses Bewertungssystem umgesetzt. Auf die lange Dauer, so die Erwartung, wird durch die Mitmach-Elemente in Web 2.0-Manier das Online-Lexikon immer besser und verlässlicher. Mit einem Kuchendiagramm wird zudem angezeigt, wie häufig die jeweilige Übersetzungsvariante für das Wort verwendet wird, ein weiterer Indikator für eher gute oder noch nicht so treffende beziehungsweise geläufige Übersetzungsmöglichkeiten.

Nach Deutsch-Englisch sollen weitere Sprachen folgen

Zur effektiven Suche nach Übersetzungen bietet Linguee auch die Möglichkeit, durch das Setzen von Anführungszeichen nach exakten Phrasen zu suchen oder durch ein Minuszeichen bestimmte Bedeutungsfelder auszuschließen. Ein Pluszeichen hingegen erzwingt die Einbeziehung von bestimmten Begriffen bei mehrteiligen Sucheingaben. Hier zeigt sich auch, dass das Entwickler-Team von Linguee seine teilweise Abkunft von Suchmaschinen-Anbieter Google nicht ganz verleugnen kann.

Wer möchte, kann die Linguee-Suche übrigens direkt im Browser integrieren, so dass das Übersetzungs-Tool auch ohne vorherigen Seitenaufruf beim Surfen verwendet werden kann. Der Dienst wird für die Online-Nutzung kostenlos angeboten und finanziert sich über Werbeeinblendungen.

Derzeit läuft Linguee.de offiziell noch in der Betaphase. Weitere Sprachen nach Deutsch-Englisch sind schon geplant.

Manfred Schütz - Medienphilosophie

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